„Die Cloud” ist eines der meistgenutzten Wörter in der Technik – und eines der am wenigsten verstandenen. Dabei ist die Idee dahinter einfach. Cloud bedeutet: Ihre Daten liegen nicht auf Ihrem Gerät, sondern auf Computern an einem anderen Ort – irgendwo in einem Rechenzentrum, das über das Internet erreichbar ist.

Und sehr wahrscheinlich nutzen Sie die Cloud bereits, ohne es zu wissen.

Die Grundidee: ein Lagerraum im Internet

Stellen Sie sich vor, Sie mieten einen Lagerraum – nicht in Ihrer Wohnung, sondern irgendwo in der Stadt. Was Sie dort hineinstellen, können Sie jederzeit abholen. Und wenn Sie wollen, können andere Menschen mit einem Schlüssel ebenfalls hinein.

Genauso funktioniert Cloud-Speicher. Ihre Fotos, Dokumente oder Musik liegen nicht nur auf Ihrem Handy oder Computer, sondern auf Servern eines Anbieters – Google, Apple, Microsoft, Amazon oder andere. Von dort aus können Sie jederzeit und von jedem Gerät darauf zugreifen.

Der Name „Cloud” kommt daher, dass man in technischen Zeichnungen das Internet früher als Wolke dargestellt hat – etwas Unklares, Entferntes. Inzwischen ist die Wolke Alltag.

Nutzen Sie die Cloud schon?

Fast jeder nutzt Cloud-Dienste, ohne darüber nachzudenken:

WhatsApp und Signal speichern Chatverläufe in der Cloud, wenn die Sicherung aktiviert ist.

Google Fotos und iCloud-Fotos laden Ihre Handy-Fotos automatisch auf Server von Google beziehungsweise Apple hoch. Das ist der Grund, warum Fotos nach einem Handywechsel noch da sind.

E-Mail funktioniert ebenfalls über die Cloud: Wenn Sie Gmail oder Web.de nutzen, liegen Ihre Nachrichten auf Servern dieser Anbieter – nicht auf Ihrem Computer.

Netflix, Spotify, YouTube sind Unterhaltungs-Clouds: Die Inhalte liegen nicht auf Ihrem Gerät, sie kommen von Servern und werden gestreamt.

Was die Cloud nützlich macht

Geräteunabhängigkeit ist der wichtigste Vorteil. Fotos, die Sie auf dem Handy aufgenommen haben, können Sie auf dem Tablet betrachten – wenn beide dasselbe Cloud-Konto nutzen. Ein Dokument, das Sie am Computer begonnen haben, lässt sich am Handy weiterschreiben.

Sicherheit vor Geräteverlust ist ein weiterer Pluspunkt. Fällt Ihr Handy ins Wasser oder wird gestohlen – die Fotos sind in der Cloud gesichert. Das Gerät ist weg, die Erinnerungen sind es nicht.

Teilen ohne Versenden wird durch die Cloud möglich. Statt 30 Urlaubsfotos per Mail zu schicken, legen Sie die Fotos in einen Cloud-Ordner und teilen den Link mit der Familie. Jeder sieht die Fotos, ohne dass Sie alles einzeln verschicken müssen.

Was die Cloud nicht ist

Die Cloud ist kein Geheimnis und keine Magie – aber sie ist auch kein neutraler Ort. Ihre Daten liegen auf Computern, die jemand anderem gehören. Das bedeutet:

Der Anbieter hat technisch Zugriff auf die Dateien. Google, Apple, Microsoft und andere halten sich an Datenschutzgesetze, aber die Frage bleibt: Wollen Sie, dass Ihre Fotos auf Servern eines amerikanischen Konzerns liegen?

Der Zugriff auf Ihre Daten hängt vom Anbieter ab. Wenn ein Dienst seinen Betrieb einstellt oder Ihr Konto sperrt, kommen Sie möglicherweise nicht mehr an Ihre Dateien heran. Das ist selten – aber es kommt vor.

Für alltägliche Fotos und Dokumente ist das für die meisten Menschen kein Problem. Für hochsensible Daten – Steuerbescheide, Gerichtsunterlagen, medizinische Befunde – ist ein lokales Backup auf einem eigenen USB-Stick oder einer externen Festplatte die sicherere Ergänzung.

Welche Cloud für was?

Wer die Cloud nutzen möchte, hat mehrere Optionen:

Google Drive ist kostenlos bis 15 GB und gut für Dokumente, Fotos und gemeinsames Bearbeiten von Dateien. Passend dazu: Google Drive: Dokumente ohne Office-Programm.

Apple iCloud gehört zum iPhone und iPad dazu. Die Basis-Speicherung von Fotos und Einstellungen ist gratis, mehr Speicherplatz kostet. Wer ein iPhone hat, nutzt iCloud oft ohne es eingerichtet zu haben.

Microsoft OneDrive ist auf Windows-Computern vorinstalliert und praktisch, wenn man viel mit Word oder Excel arbeitet.

Für alle gilt: Das kostenlose Kontingent reicht für die meisten Privatnutzer, es sei denn, Sie machen sehr viele Fotos in hoher Auflösung.

Brauche ich das?

Nicht zwingend – aber wahrscheinlich profitieren Sie schon davon. Wer nur einen Computer nutzt und seine Daten lokal sichert, braucht keine extra Cloud. Wer Handy und Tablet nutzt und Fotos nicht verlieren will, ist mit Cloud-Fotos gut beraten.

Der nüchterne Blick: Die Cloud ist ein Werkzeug. Wie jedes Werkzeug hat sie ihren Platz – und ihren Preis. Der Preis ist meistens nicht Geld, sondern Daten. Das ist eine Entscheidung, die jeder selbst treffen sollte.

Häufige Fragen

Ist die Cloud sicher vor Hackern? Professionell betriebene Cloud-Dienste von Google, Apple oder Microsoft haben sehr gute Sicherheitssysteme – besser als die meisten heimischen Computer. Trotzdem sind Cloud-Dienste nicht unfehlbar. Das stärkste Schutzwerkzeug bleibt ein starkes Passwort und, wenn möglich, die Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Bezahle ich für die Cloud? Für einfache Nutzung nicht. Google, Apple und Microsoft bieten kostenlose Speicherpakete an. Wenn der Platz nicht reicht (zum Beispiel bei sehr vielen Fotos), kosten Erweiterungen ein paar Euro pro Monat.

Was passiert mit meinen Daten, wenn ich einen Cloud-Dienst nicht mehr nutze? In der Regel bleiben die Daten erhalten, solange das Konto aktiv ist. Wer einen Dienst verlassen will, sollte seine Daten vorher herunterladen oder woanders sichern.

Ist die Cloud etwas für Senioren? Die Cloud stellt keine besonderen Anforderungen. Wer ein Smartphone oder Tablet nutzt, hat in vielen Fällen schon Kontakt mit Cloud-Diensten – über die Foto-Sicherung, E-Mail oder einen Kalender, der auf mehreren Geräten synchronisiert.


Verwandte Artikel: Google Drive: Briefe und Listen ohne Office · Sichere Passwörter ohne Stress