Wer bei einer deutschen oder österreichischen Bank ein Girokonto hat, hat in den letzten Jahren vielleicht Post bekommen: Die alte Karte mit dem blauen Maestro-Logo wird durch eine neue ersetzt. Manche Banken stellen auf Visa Debit um, andere auf Mastercard Debit. Was das konkret bedeutet, was sich ändert und was genau gleich bleibt, erklärt dieser Artikel.
Was ist Maestro – und warum verschwindet es?
Maestro ist ein Zahlungssystem, das Mastercard in den 1990er Jahren entwickelt hat. Es war über Jahrzehnte das Standardverfahren für die EC-Karte in Deutschland und Österreich: Das kleine Maestro-Logo auf der Kartenrückseite bedeutete, dass man an fast jedem Bankautomaten Geld abheben und in fast jedem Supermarkt bezahlen konnte.
Das Problem: Maestro war ein reines Europa-System und hatte Schwächen bei Online-Zahlungen und internationalen Transaktionen außerhalb Europas. Im Zeitalter von Online-Shopping und Reisen weltweit war das ein Nachteil. Mastercard hat deshalb entschieden, Maestro schrittweise einzustellen – der Großteil der Karten ist bis Ende 2027 umgestellt.
Was kommt stattdessen?
Die neue Karte Ihrer Bank hat entweder ein Visa-Logo oder ein Mastercard-Logo – aber es handelt sich dabei um eine Debitkarte, nicht um eine Kreditkarte. Das ist ein wichtiger Unterschied:
Eine Kreditkarte bezahlt auf Pump – der Betrag wird erst am Ende des Monats abgebucht, und man kann mehr ausgeben als auf dem Konto liegt.
Eine Debitkarte bucht sofort ab – genau wie die alte EC-/Maestro-Karte. Es geht immer nur das Geld weg, das tatsächlich auf dem Konto ist. Das Prinzip bleibt also gleich.
Die neue Karte sieht äußerlich wie eine Kreditkarte aus und trägt das Visa- oder Mastercard-Logo, funktioniert aber wie eine normale EC-Karte.
Was sich verbessert
Die neue Karte kann in einigen Alltagssituationen mehr als Maestro:
Online-Shopping funktioniert jetzt reibungsloser. Maestro war bei vielen Online-Shops nicht akzeptiert – man brauchte dafür entweder PayPal oder eine separate Kreditkarte. Mit Visa Debit oder Mastercard Debit kann man bei fast allen Online-Shops direkt bezahlen.
Bezahlen im Ausland ist einfacher. Maestro war außerhalb Europas oft nicht nutzbar – in den USA, Asien oder Australien zum Beispiel. Die neue Debitkarte funktioniert weltweit überall dort, wo das jeweilige Logo (Visa oder Mastercard) akzeptiert wird.
Geld abheben an Geldautomaten funktioniert weiterhin genauso. Das ändert sich nicht.
Kontaktloses Bezahlen war bei Maestro schon möglich und bleibt auch bei der neuen Karte möglich.
Was gleich bleibt
Das Girokonto bleibt. Die IBAN bleibt. Der Kontostand bleibt. Die PIN bleibt (bei manchen Banken wird sie übernommen, bei anderen gibt es eine neue – das kommt mit der Post).
Das Bezahlen im Supermarkt, beim Bäcker, an der Tankstelle und überall sonst, wo Sie bisher mit Karte bezahlt haben, funktioniert genauso weiter.
Muss ich etwas tun?
In den meisten Fällen: Nein. Die neue Karte kommt per Post, man aktiviert sie (meist durch eine erste Zahlung mit PIN), und die alte Karte kann danach vernichtet werden.
Was zu prüfen ist: Wenn Sie an bestimmten Stellen automatisch mit der alten Karte bezahlen – zum Beispiel an Parkautomaten oder bei manchen Abo-Diensten, die die Kartennummer gespeichert haben – müssen Sie dort die neue Karte hinterlegen. Das ist aber kein technisches Problem, sondern nur eine kurze Verwaltungsaufgabe.
Schweizer Leserinnen und Leser: Die Maestro-Umstellung betrifft in erster Linie Deutschland und Österreich. In der Schweiz läuft das Zahlungssystem über das Postfinance-System und die Debit Mastercard der Schweizer Banken, die eigene Zeitpläne hat.
Unsere Einschätzung
Die neue Karte ist kein schlechter Tausch. Das Bezahlen funktioniert wie bisher, aber in mehr Situationen – insbesondere online und im Ausland. Wer die alte Karte regelmäßig beim Online-Shopping vermisst hat, wird die neue schätzen. Wer nur im lokalen Supermarkt oder am Automaten bezahlt, merkt kaum einen Unterschied.
Die Umstellung erfordert keine Technik-Kenntnisse und keinen Banktermin. Die neue Karte kommt ins Haus, man verwendet sie – und alles geht wie gewohnt.
Häufige Fragen
Ist die neue Debitkarte eine Kreditkarte? Nein. Das Visa- oder Mastercard-Logo bedeutet nicht automatisch Kreditkarte. Eine Debitkarte bucht sofort vom Konto ab – wie die alte EC-Karte. Wer eine echte Kreditkarte möchte, muss diese separat beantragen.
Bleibt meine PIN die gleiche? Das hängt von der Bank ab. Manche übernehmen die alte PIN, andere vergeben eine neue. Die neue PIN kommt dann separat per Post. Die Mitteilung kommt mit der Karte oder kurz davor.
Was mache ich mit der alten Karte? Sobald Sie die neue Karte aktiviert und getestet haben, können Sie die alte Karte zerschneiden und entsorgen. Bitte nicht einfach wegwerfen – der Magnetstreifen und der Chip enthalten Kontodaten.
Kann ich damit jetzt auch online bezahlen, wo ich das früher nicht konnte? Ja. Das ist einer der konkreten Vorteile. Visa Debit und Mastercard Debit werden von fast allen Online-Shops akzeptiert – Maestro war dort oft nicht nutzbar.
Betrifft das auch ältere Menschen, die selten online bezahlen? Ja, aber praktisch ändert sich für diese Personen kaum etwas. Das Bezahlen im Geschäft und das Geldabheben funktionieren identisch. Die verbesserte Online-Nutzbarkeit ist ein Bonus, der nicht zwingend genutzt werden muss.